Reisebericht Rheingau - Pfalz - Baden
Mörzheim
Blick auf Mörzheim - Pfalz
 
Mörtzheim
Mörzheim - Pfalz Richtung Landau
 
Pfalz
In der Pfalz
 
Böchingen
Bei Böchingen in der Pfalz
 
Kaiserstuhl
Der Kaiserstuhl in Baden
 
Kaiserstuhl
Der verschneite Kaiserstuhl
 
Kaiserstuhl
Der verschneite Kaiserstuhl
 
Oberrotweil
Oberrotweil am Kaiserstuhl
 
 
 
 
 

Am 11.12.2008 starteten wir zu einer kleinen Weintour in die Weinbaugebiete Rheingau, Pfalz und schließlich nach Baden. Die Fahrt führte uns zunächst in den Rheingau nach Oestrich. In dieser kleinen Gemeinde direkt am Rhein gelegen besuchten wir das Weingut Ferdinand Abel. Die Familie Abel betreibt seit dem 17. Jh. Weinbau und bewirtschaftet heute 9,5 ha Weingärten. Ihre Spezialitäten sind die Rieslinge, aber auch Spätburgunder und Weißburgunder. Die Rieslinge wurden als Kollektion von der Zeitschrift wein.pur als hervorragend bewertet. Aus diesem Grund konnten wir uns diese Weine nicht entgehen lassen, obwohl es sich hierbei offensichtlich nicht um Burgunderweine handelt. Wir wurden sehr herzlich empfangen und konnten in aller Ruhe die Weine des Hauses probieren. Uns wurden sehr gute Weine präsentiert, schon von der einfachsten Qualität an haben diese uns überzeugt. Die Rieslinge sind stark mineralisch geprägt mit viel Frucht, Finesse und mit einem Hang zu nahezu opulenten Weinen. Die Rotweine werden alle im gebrauchten Holzfass ausgebaut und zeigen, dass man es auch im Rheingau versteht Rotweine zu erzeugen. Das Weingut vertreibt seine Weine fast vollständig an Privatkunden und ist aus diesem Grund in der Weinpresse eher selten zu finden, zu Unrecht - wie wir meinen! Zusammenfassend kann man sagen, dass hier sehr saubere Weine mit viel Tiefgang gedeihen, die auf Grund ihrer geringen Bekanntheit noch nahezu günstig zu haben sind.

Weiter ging unsere Fahrt an diesem Tag nach Laumersheim in der Pfalz, hier besuchten wir das Weingut Knipser.
Im Verkostungsraum gab es zwei große runde Eichenholztische, bestückt mit den Weinen des aktuellen Sortiments und dem regen Treiben der interessierten Kundschaft. Nachdem wir mit zwei Weingläsern ausgestattet wurden, konnten wir uns frei und nach Belieben durch das Sortiment probieren. Großartig, wie im Schlaraffenland des guten Geschmacks! Einmal mehr zeigte sich, dass von den Basisrotweinen bis zu den Großen Gewächsen eine hervorragende und unvergleichliche Qualität der Weine besteht. Wenn man einmal die Gelegenheit hat einen Cuvée XR zu probieren, kann man sich nicht vorstellen, dass die Winzer im Bordeaux wirklich noch bessere Weine hervorbringen. Genauso verhält es sich mit den Großen Gewächsen der Spätburgunder und seinen Verwandten im Burgund.
Es war eine sehr gemütliche und unterhaltsame Atmosphäre bei Knipser mit vielen Unterhaltungen zwischen dem Wein- interessierten Publikum. Die Zeit verflog so schnell, dass unser Zeitplan gehörig auf den Kopf gestellt wurde und wir unseren noch für diesen Tag geplanten Besuch bei Weingut Sauer auf den nächsten Tag verschieben mussten.

Übernachtet haben wir im kleinen Winzerörtchen Landau-Mörzheim, um dann am nächsten Morgen nach Böchingen zum Weingut Sauer zu fahren. Es handelt sich hierbei um ein Bio-Weingut mit Schwerpunkt auf den Burgundersorten. Herr Sauer hat persönlich die Verkostung mit uns durchgeführt und viel über seine Weine und die Lagen berichtet. Empfangen wurden wir in einem großzügigen, modernen und hellen Verkostungsraum, ausgestattet mit Gesteinsproben der einzelnen Lagen. Schon bald merkten wir, dass hier Weinbau mehr bedeutet als gewöhnlicher Landbau und dass das Siegel Bioland nicht nur als Plakette genutzt wird. Die Weißweine sind stark geprägt von ihrer Mineralität, der feinen Säure und weniger durch eine vordergründig Frucht. Dadurch sind sie sehr schön vielschichtig und lang anhaltend. Sie sind weniger opulent als die badischen Weißen, welche wir später noch verkosteten. Bei den Roten probierten wir sehr satte und konzentrierte Weine. Besonders hat uns der Cuvée Purpurrot beeindruckt, ein festlicher Cuvée aus Merlot, Sankt Laurent und Spätburgunder.
Herr Sauer bewirtschaftet ein zweites Weingut in Spanien. Leider probierten wir die Spanier nicht, da unser Weg uns nun noch nach Baden zum Kaiserstuhl führen sollte.

Am Kaiserstuhl angekommen überraschte uns dieser in einem verschneiten Zustand. Leider war es meist stark bewölkt und nebelig, sodass der Blick nur sehr begrenzt war. Als Erstes besuchten wir das Weingut Freiherr von Gleichenstein. Ein Gut, welches die Bezeichnung "Weingut" auch verdient hat: altehrwürdige Gemäuer mit Parkanlage und großen Bäumen. Uns wurden sehr satte und opulente Weine präsentiert, egal ob Rot oder Weiß. Anhand des Spätburgunders in einer Aufreihung von fünf verschiedenen Qualitätsstufen wurde aufgezeigt, welchen Einfluss die verschiedenen Lagen und Behandlungen im Keller auf den Wein haben. Mann konnte die unterschiedlichen Stufen schon allein anhand der Farbe ausmachen. Die Skala ging von einem hellen Ziegelrot bis hin zu einen tief purpurnem Dunkelrot, von einem unkomplizierten, fruchtbetonten bis hin zu einem mächtig konzentrierten, tiefgründigen Wein mit Anklängen von Tabak, Rauch und Lakritz. Eine fantastische Probierreihenfolge, die man so nur bei einem Winzer vor Ort erhält, welcher auch die unterschiedlichen Ausbaumethoden genau erklären kann. Der Ausbau geht von den Basisqualitäten mit kürzerer Maischestandzeit im großen gebrauchten Holzfass hin zur Reserve mit extremer Ertragsreduzierung, langer Maischestandzeit und einem 24- monatigen Ausbau mit größtenteils neuen Barrique - Fässern.

Danach ging es weiter zum Weingut Schneider in Endingen. Empfangen wurden wir im Verkostungsraum mit einem gut angeheizten Holzofen, gerade richtig nach dem Aufenthalt im eher kalten vorangegangenen Verkostungsraum. Die Verkostung leitete, eher wortlos, der Sohn der Familie Alexander Schneider. Wir konnten alle gewünschten Weine probieren und bekamen fantastische Weine präsentiert. Die Weine sind allesamt als opulent barock zu bezeichnen - selbst die Kabinett-Weine. Eigentlich wollte ich keinen Rotwein probieren und mitnehmen, da ich schon so viele Spätburgunder im Sortiment habe. Dennoch musste ich doch wenigstens die einfachste Qualität verkosten. Und siehe da: auch hier eine unvergleichliche opulente Üppigkeit, der ich nicht widerstehen konnte. Also muss nun doch noch ein Spätburgunder mit ins Sortiment.
Das Weingut Schneider ist als eines der wenigen Topweingüter aus dem Verband Deutscher Pädikatsweingüter (VDP) wieder ausgetreten, weil hier der Grauburgunder mit der alten deutschen Bezeichnung Ruhländer gekennzeichnet wird. Dies ist im VDP nicht möglich. Das Weingut betreibt einen naturnahen Weinbau. Darauf angesprochen, warum denn kein Bio-Weinbau betrieben wird, kam Herr Schneider dann doch ins Gespräch. Es wird mit Gründüngung gearbeitet, um ein aktives Bodenleben aufzubauen und die Böden zu schonen. Beim Bioweinbau ist Kupfer das einzige Mittel gegen Pilzerkrankungen. Dies wiederum reichert sich als Schwermetall an und verseucht so nach und nach die Böden. Dadurch wird der ganze Effekt der organischen belebten Böden auf Dauer wieder zu Nichte gemacht. Es wird also ein so umwelt- und pflanzenschonender Weinbau wie möglich betrieben, ohne die bei absoluter Auslegung auftretenden Widersprüche zu dulden. Es werden hier im Weinbau und in der Bezeichnung der Weine ganz eigene Wege gegangen. Dieser eigene und kompromisslose Umgang kommt den Weinen zugute, sie werden somit eigenständig und unverwechselbar.

An den Badischen Weinen fällt insgesamt deren barocke Üppigkeit bei gleichzeitigem großen Tiefgang auf, hier merkt man den für die Burgundersorten typischen buttrigen Schmelz besonders ausgeprägt.
Eigentlich sollte unsere Fahrt nun weiter zum Weingut Schnaitmann in Württemberg gehen. Leider war dieses schon so gut wie ausverkauft, sodass wir unsere Fahrt entspannt in Tübingen ausklingen ließen. Von da traten wir am nächsten Tag unsere Rückreise an, um unsere erworben Köstlichkeiten in den eigenen Weinkeller zu bringen.

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